Alte Französische Batterie

Die „Alte Batterie“ im Uedesheimer Rheinbogen

Alte Batterie

Im Rheinbogen zwischen Uedesheim und der Fleher Brücke sind noch heutzutage im Gelände Spuren eines Bauwerks zu finden, das an dramatische militärische Ereignisse aus der Epoche der Französischen Revolution erinnert. Es handelt sich um eine historische französische Artilleriestellung aus den Jahren 1794/95, die unter dem Namen „Alte Batterie“ bekannt ist. Die „Alte Batterie“ liegt ungefähr 700 Meter südlich der Fleher Brücke und circa 150 Meter westlich des Rheines. Auf dem Wanderweg unmittelbar am Rhein entlang kann man sie gut erreichen. Erkennbar ist die Feuerstellung am ehesten durch das Rotdorngebüsch, das sie in großen Teilen bedeckt. Die Erdaufschüttung ist fast 100 Meter lang und 15 bis 20 Meter breit. Sie flacht nach Westen hin ab. Zur Rheinseite sind noch Überreste des vorgelagerten Grabens erhalten. Errichtet wurde die „Alte Batterie“ Anfang Oktober 1794, als die Franzosen zwei Jahre nach Beginn der Revolutionskriege Neuss erreichten. Die Uedesheimer Artilleriestellung war eine von vielen Feldverschanzungen, die auf dem linken Rheinufer angelegt wurden. Napoleonische KanonenVom Oberkasseler Rheinufer aus wurde am Abend des 6. Oktober 1794 von den Franzosen mit der modernsten Artillerie der damaligen Zeit Düsseldorf beschossen. Die Stadt war mit Flüchtlingen überfüllt, die vor den anrückenden Feinden geflohen waren. Bei dem Beschuss entstand ein Großbrand, dem nicht nur viele Menschen, sondern auch viele Gebäude zum Opfer fielen. So wurde z. B. das Stadtschloss in erheblichen Teilen zerstört. Nach dem Beschuss blieb es an der Rheinfront zunächst ruhig. Erst am 21. Januar 1795 um 10 Uhr feuerten die Kanonen erneut – sicherlich auch die Uedesheimer Batterie. Die französischen Soldaten gedachten mit diesen Schüssen der Hinrichtung ihres letzten Königs. Denn zwei Jahre zuvor musste Ludwig XVI. das Schafott besteigen. In der Nacht vom 5. zum 6. September 1795 setzten die Franzosen bei Krefeld-Uerdingen und Düsseldorf-Hamm über den Rhein. Düsseldorf wurde dabei weniger durch Artillerie als durch Infanterie angegriffen. Am Morgen des 6. Septembers wurde die Stadt den Franzosen übergeben. Unter Kaiser Napoleon schritt die französische Expansion weit über den Rhein hinaus. Sie erreichte ihr Ende räumlich in Moskau 1812, politisch auf dem Wiener Kongress 1814-1815 und militärisch 1815 in der Schlacht bei Waterloo. Himmes und Kramp vor der Alten BatterieWelche Bedeutung die „Alte Batterie“ für die Beschießung von Düsseldorf im Oktober 1794 oder für den Rheinübergang elf Monate später gespielt hat, lässt sich heute nicht mit Sicherheit sagen. Da sie relativ weit entfernt von der Düsseldorfer Altstadt liegt, bestand ihre Funktion jedenfalls eher in der Absicherung des Hinterlandes, als dass sie im Zentrum des Geschehens gestanden hätte. Gleichwohl möchte der Verschönerungsverein Neuss-Uedesheim e.V. in baldiger Zukunft mit einer Bronzetafel an dieses Relikt und seinen historischen Kontext zu erinnern, da die Gefahr besteht, dass wegen fortschreitender Erosion die „Alte Batterie“ als Erdaufschüttung nicht mehr sehr lange zu sehen sein wird.

Paul-Heinz Kramp

 

 

 

 

Enthüllung der Gedenktafel

Die feierliche Enthüllung der Bronze-Gedenktafel zur alten Batterie am Rheinufer fand am Samstag, dem 21. Juni 2014 ab 11 Uhr am Deichtor statt. Hierzu waren bei bestem Wetter ca. 100 Personen, Geladene, Himmelgeister und Uedesheimer Bürger, erschienen. Den festlichen Rahmen gestalteten Blechbläser von der städtischen Musikschule mit einem alten und einem zeitgenössischen französischen Stück. Der Vorsitzende, Karl-Rüdiger Himmes,  erinnerte an die deutsch-französische Freundschaft  und an die Fortschritte, welche die Franzosen im Zuge der Französischen Revolution mit an den Rhein brachten. Für etwa 20 Jahre war der Rhein bei Uedesheim die Grenze der Französischen Republik. Anschließend erläuterte der Initiator der Gedenktafel, Paul-Heinz Kramp, den geschichtlichen und militärhistorischen Hintergrund der damaligen Batterie als Teil der Grenzbefestigung. Sie war mit den modernsten damals verfügbaren Kanonen bestückt. Geschossen hat die Batterie nur einmal, nämlich Salut. Als die Franzosen über den Rhein weiter nach Osten vordrangen, wurde die Batterie nutzlos.

Nach der Enthüllung durch den Vorstend und Paul-Heinz Kramp lud der Verein alle Anwesenden zu einem kleinen Umtrunk, der die Feier beendete.

Vortrag HimmesVortrag KrampAnwesende

Da die Gedenktafel und  die Feier die Kasse des Vereins bis aufs Äußerste strapaziert haben, sind nach wie vor Spenden willkommen! Selbstverständlich werden steuerabzugsfähige Bescheinigungen ausgestellt. Die Konten des Vereins finden Sie hier.

 

 

EnthüllungTafel Alte Batterie

Uedesheim, den 22.06.2014
Uwe Ritterstaedt